Tarifvertrag zur regelung der altersteilzeit vom 5. mai 1998

Die Regierungen befürworten im Allgemeinen die Einführung von Formen des flexiblen Altersund unter anderem progressiver Altersversorgungssysteme. Die Hauptgründe für diese Haltung sind: Die Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern haben in den Niederlanden, Belgien und Norwegen die größte Rolle gespielt. In diesen drei Ländern wurde der schrittweise Ruhestand im Wesentlichen durch Tarifverträge eingeführt und durch sektorale und dezentralisierte Vereinbarungen weiter präzisiert und umgesetzt. In den Niederlanden sind Tarifverträge die einzige Quelle progressiver Altersversorgungsregelungen, die aus der autonomen Initiative der Sozialpartner auf sektoraler und betrieblicher Ebene hervorgegangen sind. Infolgedessen ist die Art und Weise, wie der progressive Ruhestand in den Niederlanden umgesetzt wird, recht heterogen und hängt von der Branche und dem Unternehmen ab, in dem die Arbeitnehmer arbeiten. In den letzten Jahren haben die Tarifverhandlungen über den progressiven Ruhestand und ganz allgemein über „Vorruhestandsregelungen“ und flexible Altersversorgungsregelungen zugenommen (NL9808194F). 1997 umfassten 87 % der niederländischen Tarifverträge „normale“ Vorruhestandsregelungen, und nur 15 % deckten den progressiven Vorruhestand ab. 1999 verwandelten 50 % der Tarifverträge die Vorruhestandsregelung in flexiblere Vorruhestandsregelungen (wobei die Arbeitnehmer das Rentenalter bestimmen, aber die Kosten des Vorruhestands tragen). Im Jahr 2000 wurden mehr Vereinbarungen getroffen, die einen flexiblen Ruhestand/Vorruhestand vorsehen (78 % aller Vereinbarungen) – je nach Definition umfassten 30 %-50 % der Vereinbarungen progressive Altersregelungen mit unterschiedlichen Lohnsystemen und individuellen Entscheidungen über die Höhe der Rente, die bei vollpension mit 65 Jahren gezahlt wird.

Das allgemeine Fehlen einer Verpflichtung zur Einstellung von Ersatzbeschäftigten scheint darauf hinzudeuten, daß der progressive Ruhestand nur am Rande als eine Politik zur Schaffung von Arbeitsplätzen konzipiert wird. Sie zielt vielmehr speziell auf ältere Kohorten ab und versucht einerseits, die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer aufrechtzuerhalten, und andererseits neigt sie dazu, Teil des Renten- und Rentensystems zu werden. In den beschäftigungspolitischen Leitlinien der Europäischen Union sind progressive Altersregelungen zu sehen, die die Mitgliedstaaten auffordern, „Politiken für das aktive Altern zu entwickeln, um die Fähigkeit und die Anreize für ältere Arbeitnehmer, so lange wie möglich im Erwerbsleben zu bleiben, zu verbessern, insbesondere durch folgende Positive Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit und Fähigkeiten älterer Arbeitnehmer, zur Einführung flexibler Arbeitsregelungen und zur Sensibilisierung der Arbeitgeber für das Potenzial älterer Arbeitnehmer“. Gleichzeitig können sie Teil der Strategien der Sozialpartner sein, um die wirtschaftliche und unternehmenswirtschaftliche Umstrukturierung anzugehen, um wertvolles Know-how in den Unternehmen zu erhalten sowie Entlassungspläne und den Ausstieg aus der Beschäftigung zu „weichen“. Darüber hinaus kann der schrittweise Ruhestand eine Alternative zu teuren „vollständigen“ Vorruhestandsregelungen darstellen und die Reform und finanzielle Umstrukturierung der nationalen Rentensysteme erleichtern. Die Attraktivität des progressiven Ruhestands kann durchaus darin bestehen, dass er es ermöglicht, all diese Ziele zu kombinieren. In den beiden anderen Ländern mit progressiven Altersversorgungsregelungen (Österreich und Spanien) haben die Sozialpartner im wesentlichen auf nationaler sektoraler Ebene durch sozialen Dialog und Konzertierung eine Rolle gespielt.